Die laute Hedda
Inhalt
Hedda ist mir ihrem Vater Zuhause. Ihr Vater versucht im Home Office zu arbeiten, während Hedda sehr lustige – aber laute Spielideen hat. Zunächst wird er mit dem Ball abgeschossen, dann spielt sie Trompete und schneidet aus ihrem Bettlaken ein Gespensterkostüm. Ihr Vater beschwert sich, Hedda ist geknickt und versteht nicht, warum sie lauter sein soll als das Hundegebell vor dem Fenster oder die Waschmaschine. Sie fühlt sich ungerecht behandelt. Als der Vater sich erneut beschwert wird sie richtig sauer. Ihr Papa versteht sie, nimmt sie in den Arm und begleitet ihren Wutanfall. Er nimmt sich Zeit mit ihr zu spielen und es geht hoch her!
Bewertung
Zunächst möchte ich auf die kreischend farbenfrohen Illustrationen von Josephine Wolff eingehen. Sie versteht es durch Lautmalerei und Farbenstrudel die Energie von Hedda aufs Bild zu bringen. Hedda ist umrahmt von pink und gelb, während ihr Papa im Homeoffice in ruhigen Blau- und Grautönen sitzt. Auf den Bildern gibt es viel zu entdecken: Nicht nur Heddas Einhornschweif, sondern auch die jubelnden Kuscheltiere – und eine Ananas bringen richtig Dynamik auf die Doppelseiten.
Die Geschichte scheint zunächst eher traurig. Alles was Hedda anpackt wird sofort niedergemacht. Nach jeder Spielidee folgt ein Vergleich von Hedda, die nicht versteht, warum ihr Spiel lauter war, als die Hunde auf der Straße. Die Rezipent*innen können sich sehr gut in das Mädchen einfühlen.
Als dann der große Wutausbruch kommt, kippt zwar die Stimmung bei Hedda, doch ihrem Vater wird bewusst, was er in ihr ausgelöst hat. An dieser Stelle wäre vielleicht eine knappe Formulierung Heddas noch gut gewesen, andererseits ist es auch schön, dass ihr Vater selbstständig darauf kommt, was los ist. Uns wird schnell klar, dass die beiden eigentlich ein liebevolles Verhältnis miteinander pflegen. Das dargestellte gemeinsame Spiel der beiden wirkt sehr heilsam.
Mehrmals habe ich mich gefragt, ob ich es gut finde, dass Hedda mit ihrem Papa aneinanderrasselt. Es kommen immer noch so wenige kümmernde Väter in den Bilderbüchern vor, dass ich es schade finde, wenn diese dann so eine undankbare Rolle bekommen. Gleichzeitig dürfen auch Papas mal ungeduldig sein. Dass dieser Papa auch direkt versteht, was er falsch gemacht hat und so schön reagiert, macht die Sache eigentlich umso besser.
Das Buchcover ist übrigens SEHR gut bei meinen Kindern angekommen, weswegen wir das Bilderbuch direkt lesen sollten. Tatsächlich scheinen sie sich auch mit Hedda gut identifizieren zu können, denn wir mussten das Bilderbuch mehrfach miteinander lesen.
Pädagogische Vermittlung
Das Bilderbuch eignet sich sehr gut, um über Empathie und Rücksichtnahme zu sprechen. Nachdem gemeinsamen Lesen würde ich mit den (Vorschul)kindern das Gespräch suchen:
Wer war schon einmal in einer ähnlichen Situation?
Was macht ihr, wenn Mama und Papa Zuhause arbeiten wollen?
Geht das immer gut?
Werdet ihr auch manchmal als zu laut wahrgenommen?
Was hätte Hedda noch sagen können? etc.
Die Kinder bekommen Handlungsmöglichkeiten an die Hand ihre Bedürfnisse in solchen Situationen deutlich zu machen und Lösungen zu suchen.
Autorin: Katrin Michel
Illustratorin: Josephine Wolff
Carlsen, 2025
ISBN: 928-3-551-52251-1
Details und erhältlich* bei: Thalia Genialokal Verlag
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