Liv
Kein Märchen
Inhalt
Liv verbringt Zeit mit ihrem Opa, der ein leckeres Essen für sie beide zubereitet – Rehrücken. Der schmeckt so gut, dass sie am liebsten nie wieder etwas anderes essen möchte. Am nächsten morgen gehen sie früh in den Wald. Sie sehen Rehe, die für Liv ganz magisch aussehen, wie Sterne. Da erschießt Opa eines von ihnen und trägt es nach Hause. Währenddessen beschäftigt sich Liv unter anderem mit der Frage, ob sie irgenwann auch einmal gegessen wird und ihr wird irgendwann klar, dass wir Menschen Wölfe sind.
Bewertung
Das Buch möchte die Leser*innen daran erinnern wertschätzend mit Lebensmitteln umzugehen, um genauer zu sein mit Fleisch. Liv wird von ihrem Opa vor Augen geführt, dass für unser Essen, sofern es denn Fleisch beinhaltet, Tiere sterben müssen. Indem sich Opa anschließend bei dem Reh bedankt, drückt er Wertschätzung aus und verdeutlicht zugleich, dass es für ihn keine Selbstverständlichkeit ist ein Leben zu nehmen.
Für Liv ist dieser ganze Morgen zuerst magisch und aufregend. Der Tod des Rehs stellt einen Bruch dar in ihrer bisherigen Weltansicht. Ihre Gedanken, aber auch die Illustrationen verdeutlichen, wie sehr sie betroffen ist, wie bedrückt. Zumindest ging es mir selbst auch so. Am Abend zuvor hat sie das Märchen von Rotkäppchen gehört, in dem ein Mädchen vom Wolf gefressen wird. Es war spannend! Nun hat sie ermsthafte Sorgen, ob sie jemals gegessen wird z. B. von einem Wolf.
Die Geschehnisse des Morgens in Kombination mit dem Märchen von Rotkäppchen, welches sie am Abend zuvor von Opa gehört hat führen dazu, dass sie sich mit anspruchsvollen, ethischen Fragen beschäftigt: Werde ich gegessen? Sind wir Wölfe? Weiterführend können die Fragen erörtert werden, warum Tiere gegessen werden, Menschen aber nicht? Sind wir wie Tiere, genauer gesagt Wölfe? Was macht Menschen besonders/ anders/ besser? Das Buch hat den Anspruch anspruchsvoll zu sein und das ist es auch. Das Thema lässt sich meiner Meinung nach nicht so nebenbei besprechen. Meiner Meinung nach lässt es sich gut nutzen, wenn das Thema Fleischkonsum vom Kind selbst angesprochen wird. Auch ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene können von diesem Buch berührt, zum Nachdenken und Diskutieren angeregt werden.
Die geradezu sanften Illustrationen stehen im Gegensatz zu dem nicht gerade leichten Inhalt der Geschichte. Sie zeigen die liebevolle Beziehung zwischen Liv und ihrem Opa, ebenso wie ihre Gefühle und den Tod des Rehs. Dieses wird von Opa aufgehängt und mit einem Messer geöffnet. Dies wird ohne Drama erzählt und durch die Bilder angedeutet.
Am Ende des Buches sind keine Worte mehr nötig. Liv hat ihr Lächeln wieder gefunden und pflückt mit Opa Beeren. Das Leben geht weiter. Eine unaufgeregte Geschichte, definitiv kein Märchen, sondern real wie das Leben selbst.
Wer sich näher mit dem Thema Fleischkonsum auseinandersetzen möchte wird hier fündig: Wo kommt unser Essen her? und Das wahre Leben der Bauernhoftiere
Kein Märchen
Autorin: Anne Sofie Allermann
Illustratorin: Stephanie Donsø
Übersetzerin: Viola Rosa Semper
Tulipan, 2025
ISBN: 978-3-86429-666-6
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