Mal starker Bär, mal stille Maus
So kannst du sagen, dass du dich fühlst
Inhalt
In diesem Bilderbuch geht es darum, dass alle Gefühle erlaubt sind. Einzelne Gefühle werden aufgegriffen und mit Hilfe von Tieren oder deren Attributen erklärt: „Manchmal bin ich ein furchtloser Löwe. Mutig sein fällt mir nicht schwer.“
„Manchmal bin ich eine Schnecke im Schneckenhaus. Ich liebe es, für mich zu sein.“ In Szenen sehen wir, einen respektvollen Umgang der Kinder untereinander vor allem bezüglich ihrer Gefühle und Grenzen.
Nähe und Distanz, Grenzen setzen und eigene Gefühle zulassen und akzeptieren sind die Hauptthemen dieses Buches.
Bewertung
Das Bilderbuch wird aus der Perspektive eines Ich-Erzählers dargestellt, der die unterschiedlichen Gefühle einnimmt. Die Illustrationen stellen aber unterschiedliche Kinder dar. Das passt sehr gut, vor allem weil die Illustratorin auf Diversität in der Kindergruppe geachtet hat und auch das Kind im Rollstuhl als Hauptperson ein Gefühl vertreten kann. Die Illustratorin hat kräftige Farben und klare Konturen verwendet. Die Protagonist*innen sind ausdrucksstark dargestellt, so dass sie von den Kindern gut „gelesen“ werden können.
Die Parallelen zur Tierwelt sind frei erfunden. Tiere werden für Kitakinder oft einbezogen um Themen attraktiv zu machen. Leider fehlt hier die Konstante. Mal setzt man das Gefühl (Mut) einem äußeren Attribut gleich (ROAR! Laut = Mutig?), dann nimmt man an, dass brummige Gorillas wütend sind – vll drückt dieser durch sein brummen auch Zuneigung aus? Für Kopfmenschen, die eher naturwissenschaftlich orientiert sind, sehe ich hier einige strittige Vergleiche.
Wichtig für mich ist: Wir möchten uns über Gefühle verständigen, dafür benötigen wir einen Gefühle – Wortschatz und klare Abgrenzungen – Tiervergleiche erscheinen mir hier wenig sinnvoll.
Positiv hervorheben möchte ich die Auswahl der Gefühle. Diese ist perfekt, um schon mit Kindergartenkindern darüber zu sprechen. Es werden nämlich nicht nur die üblichen Verdächtigen behandelt: Wut, Freude, Traurigkeit, sondern in Szenen alltägliche Gefühle dargestellt, die oft in Bilderbüchern fehlen: Das Bedürfnis nach Rückzug, körperlicher Distanz, Mut und Schüchternheit in der Kindergruppe. Die Autorin hat den Alltag der Kinder sehr gut getroffen und herausgearbeitet, dass jedes Gefühl seine Berechtigung hat!
Die Umsetzung der Szenen in Bildern ist Gwen Millward hervorragend gelungen, so dass man die Szenen direkt in die Kita übertragen kann.
Am Schönsten finde ich, wie bereits erwähnt, den Umgang der dargestellten Kinder untereinander.
Fazit: „Mal starker Bär, mal stille Maus – So kannst du sagen, wie du dich fühlst“ eignet sich gut, um das Thema eigene Gefühle wahrnehmen, Grenzen setzen und akzeptieren aufzugreifen.
Weitere Bilderbücher zum Thema Gefühle findet ihr hier: „Heute bin ich“, „Der Riese und die großen Gefühle“, „So ein mieser Tag“ oder schaut einfach in die „Top 10 – Bilderbücher zum Thema Gefühle“
Pädagogische Vermittlung
Ich betrachte das Bilderbuch im Kreis mit allen Kindern. Wir besprechen, wie wir einzelne Gefühle nennen. Mit den Kindern, die bald in die Schule kommen, würde ich zu einem späteren Zeitpunkt erneut und im geschlossenen Kreis, das Bilderbuch aufgreifen:
In der ersten Einheit bespreche ich das Bedürfnis nach Rückzug mit den Kindern.
Wo können wir uns in der Kitagruppe gut zurückzuziehen?
Wie können wir einer Person erklären, dass wir gerade für uns sein möchten?
Woran erkennen wir – ohne Erklärung – dass jemand gerade nicht mit uns spielen möchte?
Das Rückzugsplakat bekommt die Farbe orange. Wir dokumentieren mit Fotos typische Alleine-Spiele und Rückzugsecken.
In der nächsten Runde sprechen wir über Küsse und Umarmungen.
Wann tut es uns gut, umarmt zu werden?
Wer darf uns überhaupt umarmen oder gar küssen?
Darf ich JEDEN küssen?
Auch hier versuchen wir durch Fotos deutlich zu machen, wer mit wem umarmen kann (Freund*innen) oder gar küssen kann (Freund*innen) und wem das gar nicht gefällt und lieber nur von Mama und Papa geküsst und gedrückt wird.
Dieses Plakat bekommt noch eine andere Farbe.
In ähnlicher Weise würde ich noch ein Plakat zu „Mut / Angst vor die Gruppe zu treten“ anknüpfen.
In der letzten Einheit besprechen wir die Gefühle an sich und welche Situationen positive und negative Gefühle auslösen können.
So kannst du sagen, wie du dich fühlst
Text: Moira Butterfield
Bild: Gwen Millward
Übersetzung: Stephanie Menge
Fischer Sauerländer, 2022
ISBN: 978-3-7373-7347-0
Details und erhältlich* bei: Thalia Genialokal Verlag
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