Martinas Favoriten 2025

Wie jedes Jahr findet Ihr in diesem Beitrag die Bücher, die wir ganz besonders hervorragend fanden Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen und ein wunderschönes neues Jahr 2026! Auf die Bücher – fertig – los!

Der Riese und die großen Gefühle

Der Riese erwacht. Durch sein Erwachen löst er zunächst Sorge aus, diese weicht der Furcht, als er alles zu zerstören droht und der Traurigkeit, als er Verwüstung hinterlässt. Die Gefühle der Dorfbewohner beziehen sich zunächst ausschließlich auf das Geschehen mit dem Riesen. Als sie sich mit Mistgabeln und Knüppeln auf Verfolgung begeben, beginnen die Erzählstränge langsam auseinanderzudriften. Spätestens bei Häme sehen wir unterschiedliche Situationen, in denen Menschen hämisch sind, sich schämen, erstaunt sind. Der Fokus bleibt jedoch auf dem niedlichen Riesen, der – als er die Zuwendung seiner Erfinderin spürt – beim Aufbau des zerstörten Dorfes hilft und Freude erfährt.

Charlotte Belliére erzählt mit der Geschichte um den Riesen eine Geschichte, die viele Gefühle anstößt. Der Riese wirkt von Beginn eher tolpatschig, als bösartig. Die Leser*innen sind schnell auf seiner Seite und verteidigen ihn gerne gegen die Bewohner mit Mistgabeln und Knüppeln. Diese verlieren sich bald in unterschiedlichen Erzählsträngen, die uns erst bei wiederholtem Anschauen auffallen, die unterschiedlichen Gefühle aber ebenso ausdrucksstark und sinnhaft spiegeln.
Die Menschen sind in warmen Farben gehalten, während der Hintergrund eher grün ist. Die Farbgebung ist sehr harmonisch und ansprechend. Die Dorfbewohner sind vielfältig dargestellt, der Riese ist im Gegensatz zu ihnen weiß / hellgrau. Auf jeder Doppelseite wird das Gefühl als Wort dargestellt: Mal als Banner, mal als Wegweiser – die Kinder suchen bald nach den Buchstaben und möchten wissen, welches Wort abgebildet ist.

Für Kinder bis ins Grundschulalter bietet dieses Bilderbuch die Chance ihren Wortschatz bezüglich einzelner Gefühle zu erweitern und die Perspektiven der einzelnen Bewohner – aber auch des Riesen einzunehmen. Sie bekommen eine Idee, wie Menschen in bestimmten Situationen ihre Gefühle ausdrücken können und auf bestimmte Umstände reagieren.
Fazit: Riesige Empfehlung!

Der Riese und die großen Gefühle
Autorin: Charlotte Belliére
Illustrator: Ian De Haes
Penguin – Tulipan, 2025
ISBN: 978-3-86429-638-3
Details und erhältlich* bei: Thalia Genialokal Verlag

Drei dicke Freunde

Schon früh am Morgen kribbelt es in den Füßen des Lokomotivführers und er weiß, dass etwas Großes auf ihn zukommt. An der ersten Haltestelle wartet schon das Walross. Der Lokführer bezweifelt, dass das große Tier in den Wagon passt, aber das tut es. Auch der Elefant und der Bär, die wenig später einsteigen, passen in den kleinen Zug, der sich gemächlich Richtung Stadt bewegt. „Kauft nicht zu viel ein“, rät der Lokführer noch, doch alle drei Tiere ignorieren seinen Ratschlag. Auf dem Weg zurück muss Frau Elefant so doll niesen, dass Lok, Wagons, Tiere und Lebensmittel wild durcheinanderfallen. Schnell holen die drei Tiere ihre Familie zur Hilfe und machen ein Picknick. Die Tiere helfen dem Lokführer die Wagons wieder auf die Gleise zu stellen und der zuckelt – gar nicht mehr beladen – in den wohlverdienten Feierabend.

Die Geschichte von den drei großen Freunden ist sehr lustig. Der Lokführer fragt sich bei jedem Tier erneut, ob es wohl in den Wagon passt – diese Art Wiederholung lieben Kinder, genauso wie die skurile Tatsache, dass Lokführer und Tiere – von unterschiedlichen Kontinenten – miteinander sprechen. Die Tiere sind nicht gekleidet und ziemlich realistisch dargestellt – und doch tragen sie lustige Handtaschen und gebären sich ziemlich menschlich. Der Zug allerdings ist als Kinderlokomotive oder Holzeisenbahn gemalt. Eine unübliche Mischung, die wunderbar funktioniert.
Für Kinder unter drei Jahren ist es viel Text, allerdings kann man diesen auch sehr gut während des Lesens auf die Zielgruppe anpassen. Im Text gibt es immer wieder lustige Lautspiele: „Tschipfu“ – macht die Lokomotive.
Die Bilder sind in warmen Farben und sehr realistischen Zeichnungen gemalt – die wie bereits erwähnt – einen Spielzeugzug – realistisch- abbilden.
Der Mix aus Sprache, lustiger Geschichte und ungläubigem Lokomotivführer macht dieses Bilderbuch zu einem wunderschönen Leseerlebnis für die Kleinsten.

Drei dicke Freunde
Bild und Text: Chris Wormell
Übersetzung: Felix Buchinger
Moritz Verlag, 2010
ISBN: 978-3-89565-214-1
Details und erhältlich* bei: Thalia Genialokal Verlag

Das Loch

In das Loch erzählt uns ein Kind aus der Ich-Perspektive, wie es ihm mit dem Verlust seines Bruders Matti geht. Es sieht überall, wo Matti immer saß ein großes Loch, das anzeigt, dass er fehlt. Das Kind möchte nichts mehr essen ´. Als es schaukelt und Mattis besten Freund sieht, möchte es auch nicht mehr schaukeln, nichts macht mehr Spaß.
Doch dann schaut es sich das Loch genauer an und steigt hinab. Es ruft nach Matti und sagt, dass es ihn vermisst. Dann reicht ihr ihre Freundin Nora die Hand und hilft ihr aus dem Loch. Sie möchte wissen, wie es mit Matti war. Das Kind kann erzählen und bemerkt, dass es das Loch mit Erinnerungen füllen kann. Langsam verliert es die Wut auf das Loch. Sie wird zu einem Vermissen von Matti.

Das Bilderbuch berührt mich sehr, daher konnte und wollte ich es meinen Kindern tatsächlich noch nicht vorlesen. Der Trauerprozess des Kindes wird sehr gut beschrieben mit allem, was dazugehört: Gewohnheiten, die ohne Matti nicht mehr stattfinden können. Die Menschen drumherum, die die Trauer nicht so sehr wahrnehmen können – das Loch nicht sehen. Die Menschen, die sagen, dass Loch kennen sie schon.
Die Situation ist sehr gut getroffen. Wunderbar ist, wie die Freundin dem Kind aus diesem Loch heraushilft, indem es ein Gesprächsangebot macht und dem Kind zuhört. Der Trauerprozess ist natürlich sehr verkürzt dargestellt. Ein Bilderbuch reicht niemals aus. So wie es dargestellt ist, ist es kindgerecht und verständlich.

Die Interaktion zwischen den Protagonist*innen ist sehr gut getroffen, Mimik und Gestik ausdrucksstark. Am Besten gefällt mir ihr Spiel mit den Kontrasten: Die roten Haare des Kindes, die gelben Lichtschimmer und der grau / blaue Hintergrund. Es ergibt ein stimmiges Bild, was die Atmosphäre des Textes unterstreicht.
Ein Bilderbuch, dass ich von Herzen empfehle, denn auch Kinder haben das Recht sich schon präventiv mit Trauerprozessen auseinanderzusetzen.

Das Loch
Autorin: Lindsay Bonilla
Illustratorin: Brizida Magro
Übersetzerin: Isabel Abedi
Zuckersüß, 2025
ISBN: 978-3-9493159 85
Details und erhältlich* bei: Thalia Verlag

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