Zwei besondere Bücher über Gefühle
Warum wir weinen
Inhalt
Warum weinen wir?, fragt der Junge seine Mutter. Die Mutter denkt nach und findet zahlreiche Antworten. Trauer, Wut, Sehnsucht nach Nähe umschreibt die Mama gekonnt und poetisch: „Wir weinen, weil alle Verletzungen wehtun, ob sie uns außen am Körper treffen oder tief drinnen. Für die einen wie die anderen sind Tränen der Balsam“. Der wichtigste Grund ist, weil uns danach ist und manchmal weint man auch vor Glück.
Bewertung
In der Überschrift werden die Bücher als Besonders beschrieben, weil sie der Frage nachgehen, warum bestimmte Gefühle auftreten. Das Gefühl wird gesondert gesehen und dann überlegt, in welchen Situationen es vorkommt. Allerdings sind diese Situationen nicht alltäglich, wie z.B. „in den Finger schneiden“ – die Verletzungen werden wie oben auf poetische Weise beschrieben. Den Leser*innen bleibt Raum für eigene Vorstellungen. Sie können sich überlegen, wann sie das letzte Mal verletzt wurden, wann sie nicht die richtigen Worte fanden oder vor Wut geweint haben. Die Hauptaussage des Buches sehe ich darin, dass das Weinen als heilsam beschrieben wird. Das die Tränen akzeptiert und begrüßt werden dürfen, weil sie zu uns gehören.
Die Bilder von Ana Sender unterstreichen die Aussagen, bleiben aber ebenso vage. Wir sehen die Mutter in unterschiedlichen Situationen, mal schwimmt sie in einem Tränenfluss, mal ist sie die Gewitterwolke. Die Bilder sind so kunstvoll gestaltet, dass sie dazu Lust machen, seine eigene Situation aufs Papier zu bringen.
Was uns Angst macht
Inhalt
Es gewittert, das Licht geht aus und Max Vater entzündet eine Kerze. Max blickt in das Licht und fragt seinen Papa, ob er manchmal Angst hat. Sein Vater antwortet und beschreibt unterschiedliche Szenarien, in denen Menschen Angst haben. Er räumt auch ein, dass er selbst immer mal wieder Angst hat. Er beschreibt die Angst vor der Dunkelheit, vor Neuem, Angst vor der Freiheit und vor Krieg, vor Einsamkeit und Hass. Angst kann uns lähmen und uns vor Gefahren warnen. Das Gewitter endet, obwohl sie nun das Licht wieder einschalten könnten, möchte Max lieber bei Kerzenschein eine Gruselgeschichte hören.
Bewertung
Auch in diesem Buch umschreibt Fran Pintadera das Gefühl, dass zu den Basisemotionen gehört. Wir alle fühlen ab und zu Angst. Hier werden die Gründe beschrieben. Diese sind vielfältig, der Autor beschränkt sich auf Ängste die relativ rational erscheinen, wie die Höhe, die Angst vor Neuem (s.o.)… Angst vor Insekten kann von den Leser*innen in die Angst vor Dingen, die sie nicht kennen, eingefügt werden. Denn auch hier werden wir durch die Aussagen mit unserer eigenen Biographie konfrontiert.
Die Bilder in diesem Buch sind dunkler und oftmals ein bisschen schaurig. Während in „Warum wir weinen“ die Mutter als Erzählende abgebildet ist, tritt in diesem Buch Max in den Illustrationen auf. Das finde ich schade, da der starke Papa einräumt auch Angst zu haben. Mir hätte es besser gefallen, wäre der Papa auch abgebildet.
Die Pointe am Ende ist toll. Denn obwohl wir uns vor vielen Dingen fürchten und der Situation entfliehen wollen, reizt uns die Angst. Das zeigt uns Max, indem er sich eine Schauergeschichte wünscht.
Beide Bücher wurden von Ilse Layer in sehr schöner Sprache übersetzt.
Pädagogischer Einsatz
Meiner Ansicht nach eignen sich die Bücher eher in Grundschule und Hort. Kindern im Grundschulalter fällt es leichter Gefühle von der Metaebene zu betrachten, zumal bei diesen Büchern wirklich zur Eigenreflexion angeregt wird. Da die Illustrationen von Ana Sender so fantasievoll und atmosphärisch wirken, fände ich eine Brücke vom Inhalt zum Künstlerischen sinnvoll.
Die Schüler*innen könnten sich eine Angst oder einen Grund zu weinen aussuchen und entweder collagenartig oder mit Acrylfarben darstellen. Hierbei würde ich darauf achten, die richtige Wortwahl zu verwenden: Wir suchen uns eine Angst aus, und nicht „unsere“ Angst. Obwohl sich niemand seiner Gefühle wegen Schämen sollte, möchte ich die Schüler*innen nicht auffordern ihr Gefühl zu teilen, wenn sie dies nicht möchten.
Eine andere Möglichkeit wäre die Szenen körperlich darzustellen. Dann müssten die Schüler*innen in Gruppen arbeiten und sich eine Situation ausdenken, in der Menschen Angst haben und diese Szenisch darstellen.
Sich mit Gefühlen auseinandersetzen
Es ist wichtig, dass wir mit den Schüler*innen immer wieder über Gefühle sprechen und sie anregen, sich mit ihnen auseinandersetzen. Nur wer sich und seine Gefühle kennt und anerkennt, kann gut für sich Sorgen. Dazu gehört, dass sie lernen offen zu kommunizieren, wenn sie etwas ängstigt oder ärgert. Nur so können sie Veränderung bewirken.
Gleichzeitig lernen sie, dass auch vermeintlich starke Menschen Gefühle haben, mit denen sie umgehen müssen. Sie lernen Signale zu deuten und empathisch mit ihrem Umfeld zu agieren.
Text: Fran Pintadera
Bild: Ana Sender
Gabriel, 2024
ISBN: 978-3-522-306461
Details und erhältlich* bei: Thalia Genialokal Verlag
Text: Fran Pintadera
Bild: Ana Sender
Übersetzung: Ilse Layer
Gabriel, 2024
ISBN: 978-3-522-306515
Details und erhältlich* bei: Thalia Genialokal Verlag
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