Wenn Anna Angst hat

Ein Mädchen besiegt ihre Angst, indem sie sich kleine und große Helfer vorstellt, die sie beschützen. Anna, das Mädchen mit den frechen blonden Zöpfen, hat einen wunderbaren Weg gefunden, ihre Angst zu bewältigen. Sie ruft nach dem Riesen, der niemals schläft, und dem grünen Drehdrachen, der alle schwindelt. Dann ruft sie die fliegende Feder, die alle in die Flucht kitzelt und viele andere ihrer lustigen Freunde, die auf unterschiedliche Art und Weise gegen das Böse vorgehen. Bis sie selbst davon überzeugt ist, dass es keinen Grund gibt, ängstlich zu sein und sie laut sagen kann: „Anna hat gar keine Angst.“

Bild: Jungbrunnen Verlag

Auf dem Buchumschlag sieht man die kleine Anna verängstigt zurückblicken: Ein Mädchen im rosafarbenen Kleid, das sich nichts traut – typisch, ein Klischee. Ziemlich schnell wird klar, dass sie dieser Schublade nicht entspricht, sondern eine Vorbildfunktion inne hat.  Sie befreit sich selbst von ihrer Angst, indem sie helfende Phantasiefiguren erfindet und am Schluss steht sie mutig, aufrecht und selbstbewusst da, denn sie hat keine Angst!
Viele Kinder können sich mit ihrer Angst in der Dunkelheit oder vor dem Schlafen gehen gut identifizieren. Es kann für Kinder phasenweise sehr schwierig sein, die Augen zu schließen, loszulassen und darauf zu vertrauen, dass am nächsten Tag alles noch so ist wie gehabt. Umso schöner ist es, dass Anna ihrer Angst ganz allein entgegentritt. Mit der Kraft ihrer Gedanken erschafft sie ihre eigenen Helfer, die sie stark machen, so dass sie am Ende mutig dasteht und keine Angst mehr zu haben braucht.
Die unterschiedlichen Charaktere gehen gegen die nicht bekannten Gefahren vor, diese werden in den Illustrationen von Barbara Jung oft als Menschen dargestellt, nur der „Gespenstermaler“ malt die Gespenster bunt. Es werden aber auch Figuren beschrieben, die Anna selbst beschützen, ihr Licht machen oder ihr beim Einschlafen helfen. Diese füllen in kräftigen Farben Doppelseiten aus und wirken so riesig und liebevoll, dass man sich direkt an sie herankuscheln könnte. Im Gegensatz zu „Dunkel“ von Lemony Snicket wird der Auslöser der Angst hier wenig thematisiert. Im Mittelpunkt stehen Anna und ihre Strategie der Angstbewältigung.

Im pädagogischen Alltag lädt das Buch dazu ein, über Ängste zu sprechen. Darf man Angst haben? Wovor haben Menschen Angst? Wovor fürchten wir uns? Die Auseinandersetzung mit der Angst zeigt den Kindern, dass sie mit diesem Problem nicht alleine sind. Kinder und Erwachsene müssen lernen, mit ihrer Angst umzugehen, so wie beispielsweise Anna.
Nun nehmen wir uns ein Beispiel an Anna und überlegen, welche lustigen Charaktere uns mit unseren Ängsten helfen können. Wenn es den Kindern lieber ist, dürfen sie auch Charaktere für „Dritte“ erfinden (z. B. für Menschen, die sich vor Spinnen fürchten). Um verträumte, verschwommene Effekte zu erzielen, würde ich den Kindern etwas dickeres Papier und Ölkreiden zur Verfügung stellen. Die Ölkreiden leuchten schön und lassen sich auf dickem Papier gut verwischen.

„Wenn Anna Angst hat…“ wurde mit dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet.

Wenn Anna Angst hat …
Autor: Heinz Janisch
Illustratorin: Barbara Jung
Jungbrunnen Verlag 2002
32 Seiten
ISBN: 978-3-7026-5737-6

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