Ente, Tod und Tulpe

Ein Buch über das Sterben.Die Ente bemerkt, dass der Tod hinter ihr her ist. Die Ente reagiert schockiert und fragt ihn, ob er sie holen komme. Der Tod antwortet, dass er die ganze Zeit in ihrer Nähe sei. Sie kommen ins Gespräch. Dabei stellt der Tod klar, dass nicht er an Krankheiten oder Unfällen schuldig sei, sondern das Leben. Die Ente merkt, dass sie den Tod eigentlich ganz nett findet, sie gehen zusammen schwimmen und klettern auf einen Baum, auf dem sie sich darüber unterhalten, was die Ente nach ihrem Tod erwartet. Die Möglichkeiten des Entenhimmels oder der Entenhölle werden benannt, auch dass der Teich in dem sie so gerne badet, ohne die Ente sein wird, genauso wie die Ente auf den Teich verzichten muss. Sie verbringen die Zeit mit Gesprächen und gehen immer seltener zum Teich, bis der Ente eines Abends kalt wird. Sie bittet den kleinen Tod, sie zu wärmen und stirbt. Der kleine Tod streicht ihre Federn glatt, trägt sie zum Fluss und gibt ihr einen vorsichtigen Schubs. Er schaut der Ente nach, wirkt nachdenklich, vielleicht sogar ein bisschen traurig. „Aber so war das Leben“ – endet das Buch.

Bild: Kunstmann Verlag

„Ente, Tod und Tulpe“ ist ein Buch, was den Tod als Gegenstand des Lebens beschreibt. Als etwas, das zum Leben gehört, wie alle anderen Herrlichkeiten, aber auch Krankheiten und Unglück. Der Tod wird in der Gestalt des bekleideten Skelettes vermenschlicht. Er wird als Freund des Lebens dargestellt, der immer da ist, sich aber spätestens dann zeigt, wenn die Zeit gekommen ist. Vielleicht ein Verweis darauf, dass wir dem Tod in unserem Leben heutzutage wenig Platz lassen und uns das Bewusstsein seiner Präsenz nur selten einholt. Im Buch wird auch kurz auf das Leben nach dem Tod eingegangen, um das sich die Ente Gedanken macht. Ohne Bewertung werden zwei Vorstellungsweisen genannt: Himmel und Hölle. Die Gedanken der Ente spielen in sofern eine Rolle, als dass es für viele Menschen schwierig ist, sich mit der Vorstellung eines Daseins nach dem Tod auseinanderzusetzen.

Bild: Kunstmann Verlag

Es gibt einige Bücher über den Tod und zur Trauerbewältigung. An diesem Buch wird vor allem kritisiert, dass das Skelett so fürchterlich wäre – aber das ist wohl Geschmacksache. Das Skelett zeigt eindeutig menschliche Züge und der Tod kann einem am Ende, so einsam am Fluss, fast leid tun. Durch die Ente, die dem Tod erst abwehrend gegenübersteht und ihm dann doch die Hand reicht, werden Gedanken und Ängste einer schwerkranken Person kindgerecht dargestellt, oder angemessen übersetzt. „Ente, Tod und Tulpe“ kann nicht nur Kindern sensibel erklären, dass der Tod Teil des Lebens ist. Wichtig scheint mir, dass das Buch den nahenden Tod darstellt. Das Buch kann betroffenen Angehörigen aufzeigen, dass der kranke oder alte Mensch Zeit hatte, sich auf sein Ende vorzubereiten und dieses nach dem ersten Schock auch annehmen kann.

Bisher habe ich trauernde Eltern  dieses Buch empfohlen, um ihren Kindern den Tod eines Großvaters zu erklären. Im Kindergarten gehe ich mit einem trauernden Kind ins Gespräch. Dadurch zeige ich ihm, dass ich weiß, was es beschäftigt und bereit bin, ihm zuzuhören, falls es darüber sprechen möchte.
Allerdings stelle ich mir vor, dass der Kindergarten für das Kind in einer trauernden Umgebung, wie eine Insel ist, auf der es sich nicht mit den Sorgen und Nöten seiner Familie auseinandersetzen muss, sondern frei heraus lachen und fröhlich sein darf. Falls ich sehe, dass das betroffene Kind sein Verhalten anderen Kindern oder mir gegenüber radikal ändert, würde ich ihm ein Buch als Medium, um das Gespräch zu eröffnen, anbieten.

Viele Kinder beschäftigt das Thema Tod und Sterben im Alter von 4-6 Jahren. Dieses Interesse kann man mit dem Buch „Ente, Tod und Tulpe“ sehr gut aufgreifen und ihnen gleichzeitig vermitteln, dass der Tod etwas Endgültiges ist, das nicht nur den Toten, sondern auch dessen Umfeld direkt betrifft: Wenn die Ente stirbt, ist nicht nur die Ente ohne Teich. Der Teich ist auch ohne die Ente.

Ente, Tod und Tulpe
Wolf Erlbruch
Kunstmann, 2007
32 Seiten
ab 4 Jahren
ISBN 978-3-88897-461-8

 

 

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