Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben

Eine bezaubernde Geschichte über die Macht der Phantasie.Ein Mädchen, dass Geschichten über alles liebt, entdeckt in der Schule ein ganz besonders schönes Buch. Ihre Lehrerin freut sich über das Interesse und leiht es ihr bis zum nächsten Morgen aus. Beschwingt und voller Vorfreude macht sich das Mädchen auf den Heimweg. Dabei bemerkt es gar nicht, wie ein Fuchs all die Wörter und Geschichten aus ihrem Buch klaut. Nachdem sie sich gestärkt und kurz mit ihrem Hund gespielt hat, kann das Mädchen seine Neugier nicht mehr zügeln und  schlägt gespannt das Buch auf. Bei der letzten Seite angekommen, beginnt sie bitterlich zu weinen, fehlen doch all die schönen Buchstaben und Wörter, die eine spannende Geschichte ausmachen. Da hört es ein Flüstern am Fenster, der Fuchs schaut herein und ermutigt das Mädchen sich selbst Geschichten auszudenken. Zögerlich beginnt das Kind, betrachtet die Seiten und versucht die Bilder zu einer Geschichte werden zu lassen.

Bild: Knesebeck Verlag

Mit jeder Seite gewinnt sie an Selbstbewusstsein und erzählt phantastische Geschichten zu den wundersamen Bildern, bis es vor Erschöpfung einschläft. Fröhlich erwacht sie und beeilt sich in die Schule zu kommen, doch wen trifft sie auf dem Weg? Den Fuchs mit einem Bündel an Wörtern und Buchstaben, er möchte SEINE Geschichte neu erfinden…

Die wundersame Geschichte „Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“ von Pamela Zagarenski bezaubert durch die kunstvollen Illustrationen, die von Mustern und Symbolen gekennzeichnet sind. Die Bilder wirken wie Collagen, deren Farben und Muster perfekt kombiniert wurden. Das Mädchen, dass in ihrem roten Kapuzenjäckchen ein wenig an Rotkäppchen erinnert, sticht durch die kräftige Farbwahl immer hervor. Der Fuchs dagegen, verschmilzt teilweise mit dem Hintergrund. Das Fabelwesen beklaut das Mädchen, steht ihr dann aber doch über den gesamten Verlauf der Geschichte versteckt zur Seite, bis er sich am nächsten Morgen zu seiner Tat bekennt.
Als das Mädchen beginnt, die Geschichten zu erfinden, eröffnen sich Seiten voll märchenhafter Figuren: Bären mit Kronen, ein großer Ochse, dem ein Mann mit Bienenhut etwas einflüstert, Löwen, Elefanten, immer wieder Bienen, ein Pfau, ein verschnörkelter Tiger, die Bilder werden immer bunter und laden unsere Protagonistin und uns zum Träumen und Entdecken ein. „Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben“ ist meiner Einschätzung nach für Kinder ab 5 Jahren geeignet, da es viel Text enthält und mir das Konstrukt der Geschichten in der Geschichte ein wenig komplex erscheint, um es mit jüngeren Kindern zu lesen.
Für die älteren Kinder ist die Geschichte sehr anregend: Das Mädchen, zuerst bloße Leserin und Konsumentin von Büchern, wird in eine aktive Rolle geführt. Auf einmal soll sie selbst gestalten, was sie bisher genießen konnte.

Im pädagogischen Angebot würde ich den letzten Aspekt hervorheben: Wie können wir selbständig spannende Geschichten erfinden? Was brauchen wir dazu? Was macht eine gute Geschichte aus? Wir versuchen uns an einer kleinen Schreib-Lernwerkstatt, die garantiert auch von den wunderbaren Illustrationen inspiriert werden kann.
Die Kinder bekommen Schwarzweiß-Bilder (kopierte Fotos) von verschiedenen Tieren, die den Mittelpunkt ihrer Geschichte und Collage darstellen sollen. Die Bilder wähle ich bewusst in schwarz-weiß, da sich die Kinder nicht an die natürliche Farbe halten müssen. Zusätzlich dürfen sie sich an verschiedenen Materialien bedienen, um ihrem Bild einen collagenartigen Charakter zu geben (Stoffmuster, Zeitungen, Borten, Seidenpapier, Märchenwolle etc.). Der Phantasie sollen keine Grenzen gesetzt werden. Anschließend suchen wir nach passenden Überschriften für ihre Geschichten, je nachdem wie geübt die Kinder im Erfinden von Geschichten sind, helfen wir alle zusammen und überlegen, welche Erzählung hinter den Bildern stecken könnte.

Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben
Autorin/ Illustratorin: Pamela Zagarenski
Übersetzung: Gundula Müller-Wallraf
Knesebeck Verlag, 2016
40 Seiten
ISBN: 978-3-86873-942-8

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