Ich bin ein Wolf, sagt Hase

Der Hase liebt es mit seinen Freunden im Wald verstecken zu spielen, doch wenn er im Dunkeln nach Hause geht, fürchtet er sich sehr. Als er über seine Angst nachdenkt, stellt er sich vor, dass ein starker Wolf sich vor nichts und niemandem fürchten muss, daher beschließt er kurzerhand ein Wolfskostüm zu nähen. Am nächsten Tag zieht er im Wolfskostüm los, um seinen Freunden seine Idee zu zeigen. Allerdings scheint er jeden knapp zu verpassen, da er zwar ihr angefangenes Frühstück findet, jedoch niemanden persönlich antrifft. Der Hase wundert sich und bekommt es mit der Angst zu tun, doch als Wolf, denkt er, dürfe man sich nicht fürchten. Plötzlich hört er Geräusche und entdeckt seine Freunde, die vor ihm davon, direkt in die Arme eines echten Wolfs laufen. Der Hase nimmt all seinen Mut zusammen und scheucht den Wolf davon. Erst als er sein Kostüm auszieht, kommen seine Freunde hervor und staunen. Der Hase legt sein Kostüm beiseite, seine Rolle als Hase sei ihm lieber.

Das Faszinierende an „Ich bin ein Wolf, sagt Hase“ ist, dass der Hase durch sein Kostüm zwei gegensätzliche Rollen einnimmt: Die des Hasen und die des Wolfs. Als Hase ängstigt ihn die Dunkelheit. Er versucht aktiv aus seiner Angst auszubrechen, indem er sich als Wolf verkleidet. Als Wolf fühlt er sich erst einmal echt stark, doch er verschreckt all seine Freunde. Als er diese nirgendwo findet, fürchtet er sich auch als Wolf und ruft sich ins Gedächtnis, dass er nun mutig sei, um dann als er die Lage erkennt, all seinen Mut aufzubringen und den echten Wolf aus dem Wald zu jagen. Als die Heldentat vollbracht ist und die Freunde seinen Einsatz bewundern, sehnt er sich zurück in seine alte Rolle, nicht unbedingt ängstlich, aber einfach Hase.
So wie die Perspektive des Hasen samt seiner Gefühle wechseln, so wechseln auch die Illustrationen vom zweidimensionalen Bild bis in die Vogelperspektive. Anfangs spielen die Tiere am hellen Waldrand verstecken und bewegen sich dann immer weiter in den dunklen Wald. An dieser Stelle sind die Illustrationen gruselig dunkel gehalten, das unterstreicht den Spannungsbogen. Zum Ende hin werden sie wieder hell.

In der Geschichte werden den Kindern die Gedanken des Hasen verdeutlicht, der sich und seine Umgebung reflektiert, aus seiner Reflexion heraus handelt und seine Fähigkeiten erweitert. Durch den echten Wolf, der sich aus dem Wald vertreiben lässt, wird wiederum klar, dass jeder Angst haben kann und darf, auch wenn er noch so stark und furcheinflösend wirkt.
Ich kann mir vorstellen, dass sich die Kinder leicht mit dem Hasen identifizieren können. Der Hase macht ihnen vor, wie man sich in eine neue Rolle wagen kann, macht aber zum Ende auch klar, dass man nicht immer stark sein muss.

Das Buch eignet sich sehr gut für eine dialogische Bilderbuchbetrachtung, da die Bilder sehr viel vom Handlungsablauf wiedergeben. Man kann gemeinsam mit den Kindern die Gefühle des Hasen benennen und seine Handlungsstrategien besprechen und bewerten. Danach könnte man die Frage an die Kinder geben: Was könnten wir machen, um mutiger zu werden? Für welche Situationen brauchen wir Mut?
Meine Idee wäre es, sich schöne Steine auszusuchen, auf die wir die Person, oder das Tier malen könnten, von dem wir glauben, dass es sehr mutig ist. Die Kinder können den Stein als Talisman bei sich tragen, wenn sie eine extra Portion Mut benötigen, zum Beispiel, wenn sie das erste Mal auswärts schlafen.

 

Ich bin ein Wolf, sagt Hase
Jadwiga Kowalska
Atlantis Verlag, 2017
32 Seiten
ab 4 Jahre
ISBN: 978-3-7152-0736-0

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