Welle

Der Bilderbuchklassiker von Suzy Lee neu aufgelegt.Ein Tag am Meer, die Gischt schäumt, während ein Mädchen mit seiner Mutter den Strand erreicht. Neugierig nähert sie sich dem Wasser. Fünf Möwen lassen sie nicht aus den Augen. Als sich das Wasser plötzlich nähert, zieht sie sich vorsichtig zurück, dann dreht sie sich zum Meer hin und weist es zurück in seine Schranken, oder doch nicht? Beobachtend sitzt sie da, bevor sie sich doch immer weiter nähert und vergnügt in die Wellen hüpft. Ihre lustigen fünf Begleiter folgen ihrem Tun. Doch dann nähert sich die Riesenwelle, erschrocken sehen wir sie kommen, schnell rennt das Mädchen weg und entkommt. Oder doch nicht? Klatschnass sitzt sie am Strand und bemerkt langsam um sich schauend die Schätze, die ihr das Meer geschenkt hat. Stolz zeigt sie die Muscheln ihrer Mama, die man als Leser unter dem Sonnenschirm vermutet und versöhnt sich mit den Wellen. Zum Abschied winkt sie ihnen freudig zu.

Bild: 360 Grad Verlag

Das wunderschöne Bilderbuch von Suzy Lee, ist eigentlich ein Klassiker, der dieses Jahr vom 360 Grad Verlag neu aufgelegt wurde. Es kommt ganz ohne Text aus. In grau und blau gehalten, macht die Künstlerin in dieser beeindruckenden Geschichte die Annäherung und Neugier eines Mädchens deutlich, dass durch das liebevolle Vertrauen ihrer Mutter, eigenständig das Meer erkunden darf. Die Beziehung zwischen dem Mädchen und dem Meer wird zu Beginn durch die Grenze, dargestellt durch die natürliche Mitte der Doppelseite, klar definiert: Jeder ist für sich. Nach einiger Zeit der Beobachtung überschreitet das Mädchen diese Grenze, sie wird mutiger, nähert sich an bis sie ganz im Nass herumtollt. Auch das Meer ist auf seiner Seite nicht gefangen und durchbricht in Form einer Riesenwelle diese Grenze.
Die Gefühlswelt des Mädchens wird trotz der relativ groben Zeichnungen durch Mimik und Gestik deutlich. So spiegeln sich in ihrem Gesicht Trotz, Erstaunen, Schreck und Freude wider. Ihre fünf Möwenfreunde beobachten und begleiten sie bei ihrem Tun, als wären sie genauso fasziniert von dieser freudigen Annäherung wie der Betrachter des Bilderbuches selbst.
Dieses Bilderbuch erinnert Erwachsene daran, wie Kinder die Natur eigenständig erforschen können, ohne von uns unterbrochen und bestimmt zu werden. Die Mutter des Mädchens lässt sie in ihrem sinnstiftenden Tun gewähren, ohne Vorsicht zu mahnen oder einzugreifen. Lassen wir den Kindern genügend Zeit und Raum so intensiv zu forschen, wie dieses Mädchen am Meer sie hat?

Bild: 360 Grad Verlag

Im pädagogischen Angebot würde ich die Erkundung und Erforschung des entdeckten Elementes in den Mittelpunkt stellen. Nach dem gemeinsamen dialogischen Betrachten des Buches, würden wir uns genau anschauen, wie das Mädchen sich der Naturgewalt „Meer“ annähert: Wie geht sie auf die Wellen zu? Wie verhält sie sich anfangs? Ändert sich ihr Verhalten im Laufe der Geschichte? Fühlt sie sich immer gut oder konnten wir auch andere Gefühle beobachten? Nach der Lesung bekommen die Kinder Zeit, ihre Eindrücke mit Acryl- oder Wasserfarben zu verarbeiten.
Dafür würde ich durch eine vorbereitete Umgebung im Atelier einen Raum schaffen, der zur eigenständigen Erkundung einlädt und anregt mit Farben und unterschiedlichen Materialien zum Auftragen der Farbe zu experimentieren. Nun ist es an mir, mich im „Nicht-einmischen“ zu üben, um den Kindern die größtmögliche Freiheit im selbstständigen Erkunden zu gewähren.

 

Welle
Illustratorin: Suzy Lee
360 Grad Verlag, 2018
40 Seiten
ISBN: 978-396-185-5100

 

 

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