Der Himmelskönig

Ein Buch von Heimweh, Sehnsucht und dem Ankommen in einem fremden Land.Ein Junge kommt in eine fremde, kalte Stadt. Alles scheint ungewohnt und fremd, auch seine Muttersprache spricht hier niemand. Nur hinter dem Haus bei Mister Evans und seinen Tauben fühlt er sich wohl, sie erinnern ihn an sein Zuhause. Der alte Mister Evans erklärt ihm alles über die Tauben und schenkt ihm sogar eine: „Rei de Cielo“ soll sie heißen, Himmelskönig. Die Tauben nehmen an Wettbewerben teil, sie werden mit dem Zug versandt und sollen dann den Weg nach Hause finden. Auch Himmelskönig soll einen Preis gewinnen, denn seine Flügel sind für Langstreckenflüge gemacht – da ist sich Mister Evans sicher. So wird die Taube nach Rom gesandt, ausgerechnet in die alte Heimat des Jungen, die ihn doch so an den nach Vanilleeis duftenden Laden der Großmutter erinnert. Der weite Weg macht Mister Evans keine Sorgen und er vertraut darauf, dass der Himmelskönig seinen Weg nach Hause findet.  Der Junge geht nach draußen, um nach ihr Ausschau zu halten und tatsächlich sieht er einen kleinen Punkt am Himmel, der langsam näherkommt und als Himmelskönig in seinen Armen landet.

Laura Carlin wählt für ihre Illustrationen eine graue und düstere Stimmung. Besonders wenn der Ich-Erzähler von der Fremde erzählt, in der er gestrandet ist, sind die Bilder in Grau- und Brauntönen gehalten. Die Erinnerung an sein Zuhause hingegen ist leuchtend hell dargestellt. Seine Gefühle werden auf jeder Seite durch die Farbgebung widergespiegelt, die sich zum Ende des Buches verändert. Die verschwommenen Aquarelle sind in stimmigen, erdigen Farben gehalten und scheinen, trotz der wenigen Konturen, genug zu erzählen. Sie passen zur Sprache, die oft auf bildhafte Beispiele zurückgreift: „Ihr Kopf war weißer als verschüttete Milch.“ Der Junge fühlt sich fremd im neuen Land und vermisst sein Zuhause. So oder so ähnlich geht es vielen Kindern und Erwachsenen, die aus unterschiedlichen Gründen in andere Länder migrieren. Manchmal kann schon eine Person zum Wohlgefühl beitragen und zum Türöffner werden. In diesem Buch ist dies Mister Evans mit seinen Tauben. Durch diese Beziehung verbessert sich die Stimmung des Jungen, so sehr, dass er mit der Rückkehr des Himmelskönigs beginnt, seine neue Heimat zu akzeptieren.

Das Buch wird vom Aladin Verlag ab fünf Jahren empfohlen: ich würde es auch mit jüngeren Kindern ausprobieren und die Altersgrenze nach oben offen lassen. „Der Himmelskönig“ ist eine ernste Geschichte des „Sich-verloren-Fühlens“ , die das Potenzial hat, den Einzelnen genau dort abzuholen, wo er sich emotional befindet.

 

Himmelskönig
Autorin: Nicola Davies
Illustratorin: Laura Carlin
Übersetzung: Andreas Steinhöfel
Aladin Verlag, 2017
ab 5 Jahren
ISBN: 978-3-8489-0133-3

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