Wer hat den Lebkuchen stibitzt?

Bild: Atlantis Verlag

Der Fuchs kann der Versuchung nicht widerstehen, doch dann folgen die Gewissensbisse. Wie gut, dass Arne so nachsichtig ist.Der wunderbare Lebkuchenduft erreicht den Fuchs. Als er dem Duft folgt, kommt er bei Arnes Häuschen an. Auf dem Fensterbrett steht ein Blech wohlschmeckender Lebkuchen. Das heiße Blech überrascht den Fuchs, aber er schafft es einen zu stibitzen, der Rest der Lebkuchen landet im Schnee. Arne nimmt es gelassen. Auch sein zweites Blech stellt er auf die Fensterbank. Als der Nikolaus kommt,  die Lebkuchen abzuholen, meint Arne er habe sich beim Ausstechen verzählt, aber er lege seinen dazu, dann müsste es reichen. Der Fuchs hört zu und bekommt ein schlechtes Gewissen. Wie kann er sich wohl entschuldigen? Währenddessen packt Arne Äpfel, Nüsse, Stroh und Salz ein, er macht sich auf den Weg, die Tiere im Wald zu bescheren. Für alle Tiere hat Arne etwas dabei, doch der Fuchs schämt sich und möchte nichts von den Gaben annehmen. Am nächsten Tag sitzt Arne vor seinem Haus in der Sonne und döst. Er hört in leises Tapsen und denkt sich, dass es wohl gut sei, keine Lebkuchen auf dem Fensterbrett zu haben. Plötzlich spürt er das warme Fell des Fuchses um seine Füße. Er streichelt den Fuchs, beruhigt ihn und verspricht im nächsten Jahr drei zusätzliche Lebkuchen zu backen, zwei für ihn und einen für sich.

Bild: Atlantis Verlag

Das Besondere an diesem Buch ist die herrliche Gelassenheit, die Arne ausstrahlt. Er ist nachsichtig und nimmt den Fehler sogar auf sich, als er dem Nikolaus erzählt, er habe sich beim Ausstechen vertan. Er versteht den Appetit des Fuchses und ist ihm nicht böse. Der Fuchs aber leidet unter seinem schlechten Gewissen. Das kann jeder nachvollziehen, der sich schon einmal für so eine kleine Sache geschämt hat. Der Nikolaus hat nur einen kurzen Auftritt, als er die Plätzchen abholt und beim Fuchs noch mehr Sorgen auslöst. Bekommt nun ein Kind wegen ihm, dem Fuchs, keinen Lebkuchen? Arnes Reaktion, die Schuld auf sich zu nehmen beschämt ihn noch mehr. Der arme Fuchs kann einem leid tun, kann man doch seine Motive gerade in der Plätzchenzeit so leicht nachvollziehen.
Dieser Konflikt in Buchform vermittelt den Kindern das Gefühl, dass man nicht immer perfekt sein muss, sondern auch kleine Fehler machen darf. Sie werden einem Verziehen. Das ungute Gefühl im Bauch, das gibt es und da muss man manchmal durch. Wie schön, dass der Fuchs einen Weg findet, Arne zu zeigen, dass es ihm leid tut. Gleichzeitig können wir uns aber auch ein Beispiel an Arne nehmen, der sich aufgrund von zwei geklauten Leckerbissen nicht die Laune verderben lässt, sondern gelassen bleibt.
Durch die kräftigen doppelseitigen Illustrationen schafft es Maria Stalder, die Gefühlsregungen in den Gesichtern von Fuchs und Arne genau zu treffen, was es uns noch leichter macht, die Bedürfnisse und Nöte der Charaktere nachzuvollziehen. Die klaren Konturen und die ruhigen Hintergründe passen zur Atmosphäre der Geschichte. Ein sehr stimmiges und schönes Buch zur Adventszeit.

Für die Kinder würde ich dieses Leseabenteuer ganz eindeutig mit „Lebkuchen essen“ verbinden. Zuerst lesen wir gemeinsam das Buch und besprechen die Gefühle des armen Diebes und die Reaktion des lieben Arnes. Vielleicht ist es einem Kind auch schon einmal so ähnlich ergangen? Danach teilen wir uns leckere Lebkuchen. Wie gut, dass der Fuchs bei uns nicht umgeht, und falls doch, könnten wir vielleicht absichtlich einen Lebkuchen auf das Fensterbrett legen?

 

Wer hat den Lebkuchen stibitzt?
Autorin/ Illustratorin: Maria Stalder
Atlantis Verlag, 2017
32 Seiten
ISBN: 978-3-7152-0734-6

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