Wie Sankt Nikolaus einen Gehilfen fand

Eine Geschichte, die den Blick vom Heiligen Nikolaus auf Knecht Ruprecht, den treuen Helfer, lenkt.Ein Holzfäller lebt in einem kleinen Häuschen am Waldrand. Er lebt sehr abgeschieden und wird von den Leuten im Dorf als „Waldkauz“ bezeichnet. Als der Winter schon eine dicke Schneedecke über das Land geworfen hat, möchte er im Dorf sein Holz verkaufen, doch die Leute sind im Weihnachtstrubel und kümmern sich kaum um ihn, da sie alles für den Nikolausabend vorbereiten. Nachmittags sitzt er wieder in seiner gemütlichen Hütte, als er den Schlitten des Nikolaus hört, lädt er ihn zu einer Tasse Tee in die warme Stube ein. Der Nikolaus nimmt sein Angebot dankend an, doch als es dunkel wird, bricht er auf, um die Kinder im Dorf zu überraschen. Er verschwindet im Schneetreiben. Der Holzfäller, der noch Holz für seinen Ofen braucht, entdeckt eine Spur von Äpfeln und Nüssen und beginnt der Spur zu folgen. Währenddessen kommt Sankt Nikolaus im Dorf an, als er das riesige Loch in seinem Sack entdeckt ist es bereits zu spät. Entmutigt sitzt er auf seinem Schlitten, als er am Horizont eine gebückte Gestalt mit einem Sack näher kommen sieht. Als er den freundlichen Holzfäller erkennt, umarmt er ihn und fragt ihn nach seinem Namen. Der Holzfäller antwortet, dass er von allen Knecht Ruprecht genannt werde. Da bittet der Nikolaus ihn, als sein Gehilfe zu den Kindern mitzukommen. Gerne begleitet er ihn, der Nikolaus erklärt den Leuten, wie der Ruprecht ihm geholfen hat und von da an, gehen sie Anfang Dezember immer gemeinsam durchs Dorf.

Die Geschichte zeigt, wie schnell eine Gesellschaft jemanden zum Aussenseiter machen kann, ohne das derjenige etwas Böses getan hat. Der Holzfäller und spätere Knecht Ruprecht wird als Eigenbrödler dargestellt. Erwachsene wie Kinder, die Knecht Ruprecht kennen, können sich diesen sehr gut in dieser Rolle vorstellen, war er doch immer der etwas forsche, furchteinflößende Begleiter des gütigen Nikolaus. Gleichzeitig kennt man aber auch den Begriff des Eigenbrödlers und weiß schnell, welche Sorte Mensch gemeint ist – zu unrecht. Kathrin Siegenthaler und Marcus Pfister haben Knecht Ruprecht mit diesem Buch eine wichtige Rolle zukommen lassen und aus dem grantigen Mann einen liebevollen Charakter gemacht, der sich nach Wertschätzung sehnt. Sie haben der Nebenrolle Ruprecht eine Hauptrolle gegeben. Vielleicht können wir den Eigenbrödlern in unserer Lebenswelt auch mehr Wertschätzung entgegenbringen, letztendlich steckt hinter jedem Kauz ein Mensch, der sich über Anerkennung freut.

Als Einführung zum Bilderbuch würde ich ein Bild von Nikolaus und Knecht Ruprecht betrachten. Wer kennt den Helfer des Nikolaus? Weiß jemand, wie er heißt? Was macht er im Sommer, wenn er nicht mit dem Nikolaus unterwegs ist? „Ich könnte mir vorstellen, der arbeitet eigentlich als Busfahrer.“ – manchmal helfen den Kindern Beispiele, um die Denkaufgabe zu veranschaulichen. Die Kinder sollen so angeregt werden, eigene Ideen oder kleine Geschichten über Knecht Ruprecht zu erfinden, bevor wir die eigentliche Geschichte lesen. Diese würde ich im Anschluss nicht als die Wahre verkaufen, sondern als gleichwertig neben den anderen erfundenen Geschichten stehen lassen. Wer weiß es denn schon wirklich? – Da müssten wir ihn vielleicht einfach mal fragen.

 

Wie Sankt Nikolaus einen Gehilfen fand
Autorin: Kathrin Siegenthaler
Illustrator: Marcus Pfister
NordSüd Verlag
32 Seiten
ISBN: 978-3-314-10123-6

 

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