Familie in der Kita – Einbezug der unterschiedlichen Familien

Familien in der Kita

Klein- und Großfamilie, Regenbogenfamilie, Patchworkfamilie, alleinerziehende Elternteile, eheliche und nicht eheliche Gemeinschaften mit Kindern, Familie mit einem Kinder oder mehreren, Adoptivkinder, Pflegekinder… Heutzutage gibt es nicht DIE eine Familie und dementsprechend auch nicht DIE eine kindliche Erfahrungswelt (vgl. Textor, 1993)

Doch eines haben alle Familienformen gemeinsam – Familie ist das Zentrum der kindlichen Welt (vgl. Textor, 1992). In ihr wird das Fundament für die weitere Entwicklung gelegt (vgl. Textor, 1993).

Grund genug, um die Thematik in den Kita-Alltag einzubeziehen. Auf diese Weise kann zum einen Wertschätzung gegenüber der kindlichen Lebens- und Erfahrungswelt ausgedrückt werden, zum anderen werden Kinder in ihrer Selbstwahrnehmung und Identitätsbildung unterstützt (Wer bin ich? Wer sind die anderen?). Gleiches gilt für die Eltern und andere Familienangehörige der Kinder, die dadurch die Erfahrung machen gesehen und wahrgenommen zu werden, was sich wiederum positiv auf die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft auswirken kann.

Im Folgenden werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, um das Thema „Familie“ in Betreuungseinrichtungen aufzugreifen. Diese können unabhängig voneinander oder im Rahmen eines Projekts (z. B. „Das bin ich“) umgesetzt werden.

Portfolioinhalt – Meine Familie

Im Rahmen eines Projekts/ eines Angebots oder beim Start in der Kita (z. B. zur Vorstellung) kann ein Portfoliobeitrag erstellt werden. Eltern und Kind füllen gemeinsam ein ggf. vorbereitetes Blatt aus und setzten sich so mit „ihrer“ Familie auseinander. Auf diesem Blatt ist Platz für ein Familienfoto und es werden Fragen zur Familie beantwortet (diese können z. B. vorgedruckt sein) bzw. man kann Informationen über die Familie entnehmen, so z. B.

  • Wir sind Familie…./ Das ist meine Familie…
  • Zu unserer Familie gehören…/ Zu meiner Familie gehören…
  • Das unternehmen wir gerne gemeinsam…
  • Das macht uns besonders…
  • Unser Familienmotto lautet…

Was bei der Umsetzung zu beachten ist:

  • Eltern nehmen sich Zeit, um gemeinsam mit dem Kind über die eigene Familie zu sprechen.
  • Das Blatt ist letztlich für das Portfolio des Kindes bestimmt, also können Kind und Eltern frei gestalten.
  • Nur ein leeres Papier mitgeben. Die Fragen ggf. nicht vordrucken, sondern als Impulsfragen mitgeben. So kann die Familie entscheiden auf welche Fragen sie antworten bzw. welche Informationen sie preisgeben möchte.
  • Die Fragen sollten ggf. in mehreren Sprachen zur Verfügung stehen, ebenso wie eine kurze Erklärung. Auf diese Weise vereinfachen wir die Aufgabe, stellen die Wertschätzung von Familien mit Migrationshintergrund sicher und erhöhen so die Bereitschaft an diesem Portfoliobeitrag teilzunehmen.
  • Stellen wir das Papier im Gruppenraum für alle zugänglich aus oder nur im Portfolio des Kindes? Es sollte mit den Eltern abgesprochen werden was in Bezug auf den Datenschutz für sie okay ist.
  • Genaues Abgabedatum festlegen.

Wurzeln unserer (Kita-/ Gruppen-) Familien

Wir hängen im Gruppenraum oder Garderobenbereich eine Weltkarte aus. Um diese werden Landesflaggen gehängt. Je nachdem zu welchem Land/ welcher Kultur sich die einzelnen Elternteile zugehörig fühlen, kleben die Eltern ihr Bild mit dem Kind darunter. Die Familien können frei entscheiden, ob sie Bilder abgeben möchten. Als Beispiel: Anas Mutter kommt aus Spanien, ihr Vater aus Deutschland. Ein Bild von Ana und ihrer Mutter befindet sich unter der spanischen Flagge, eines von Ana und ihrem Vater unter der Deutschen. Bens Eltern kommen aus Österreich, deshalb ist ein Bild von ihm, seinen Eltern und seinem großen Bruder unter der Flagge Österreichs. So haben die Kinder, aber auch die Eltern, die Möglichkeit zu sehen, wie vielfältig die Familien der Gruppe/ Einrichtung sind, ggf. kommen sie über diese Bilder ins Gespräch.

Wer auf die Verwendung von Flaggen verzichten möchte kann Schnüre verwenden, um zu verdeutlichen wo die jeweiligen Eltern ihre Wurzeln sehen. So führt z. B. eine Schnur von Deutschland zu einem Punkt oder Symbol (z. B. ein Baum und die Bilder werden um diesen Punkt/ dieses Symbol gruppiert.

Augen und Ohren auf! Welche Feste/ Gerichte/ Lieder können von Eltern eingebracht werden?

Wenn wir von den Kindern von bestimmten Gegebenheiten in der „Familienkultur“ erfahren, können wir die Eltern bitten, diese ein – oder mitzubringen. Beispiele hierfür wären ein Märchen, dass in der Erstsprache vorgetragen wird, ein Gericht, dass typisch für eine bestimmte Zeit im Jahreskreis ist oder die Erzählung über ein Fest, das in der Familie gefeiert wird. Die Aktivitäten können den Morgenkreis bereichern und uns Einblick in die unterschiedlichen Familienkulturen geben.

Wie geht ihr auf die unterschiedlichen Familien in euren Einrichtungen ein/ zu? Lasst uns gerne einen Kommentar da!

Quellen:

Textor, M.R. 1993
Die Familie als kindliche Erfahrungsumwelt
https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/paedagogik/1453 (Abgerufen 04.10.2021)

Textor, M.R. 1992
Kind, Familie, Kindergarten
https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/soziologie/44 (Abgerufen 04.10.2021)

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