Nachlese Schweizer Vorlesetag: Ein besonderes Lesecafé

„Eine Geschichte aus Japan, bitte!“ Die Speisekarte der JUKIBU in Basel hatte so einige schmackhafte Delikatessen zu bieten.Das Team um Maureen Senn-Carroll und Ebru Wittreck von der Interkulturellen Bibliothek für Kinder und Jugendliche (JUKIBU) in Basel hatte anlässlich des ersten Schweizer Vorlesetags einen wunderbaren Einfall: Sie luden ins Lesecafé ein! Nach einem herzlichen Empfang bekamen die Gäste ein Menu aus Geschichten und Bilderbüchern unterschiedlichster Sprachen, die sie sich an ihren Tisch bestellen und genießen konnte. Daraufhin erschien ein_e Vorleser_in und las die Geschichte in ihrer Landessprache vor.

Warum sollten eigentlich Kinder, Jugendliche oder Erwachsene Interesse an Geschichten zeigen, deren Sprache sie nicht verstehen? Probiert es aus! Es ist faszinierend! Nicht nur der Klang der fremden Sprachen war wunderschön, ferner waren auch die ganz eigenen Illustrationen der unterschiedlichen Bücher spannend, sowie die Schriften und die Richtung, in welche Schrift und Bücher gelesen wurden. Ich kam in den Genuss des japanischen Bilderbuches もしもしお母さん (Hallo Mama), einer ungarischen Geschichte (Örkény István: Egyperces novellák, Minutennovellen) und eines lustigen Bilderbuches in Tamil புத்திசாலியான எலிக்குட்டி (Das kluge Mäuschen).
Die Atmosphäre an diesem Nachmittag in der JUKIBU war sehr entspannt. Die Kinder konnten zwischen den Leseangeboten im Garten toben, manch Erwachsener hatte sich dort auch im Rasen niedergelassen und die ehrenamtlichen Vorleser zeigten viel Freude am Bewirtschaften und Vorlesen der großen und kleinen Gäste. Die Interkulturelle Bibliothek für Kinder und Jugendliche (JUKIBU) befindet sich im Stadtteil St. Johann in Basel und bietet eine Vielzahl spannender Bücher in über 50(!) Sprachen, weiter werden Lesungen und Veranstaltungen in anderen Sprachen angeboten. Schul- und Kindergartenklassen können für besondere Angebote und Lesungen Termine ausmachen.


Interkulturelle Bibliotheken gibt es mittlerweile in vielen großen Städten. Man muss aber nicht immer einen Besuch planen, genauso schön kann es sein, mehrsprachige Eltern zum Vorlesen in die Kindertagesstätten einzuladen. Die meisten Eltern freuen sich, dass sie mit ihrer Sprache und ihren Büchern in der Einrichtung willkommen sind. Inhaltlich lassen sich viele Bilderbücher ohne Übersetzung verstehen. Sprachklang und Ausdruck von fremden Sprachen interessieren und begeistern Kinder und vermitteln schon den Kleinsten, dass Sprache und Schrift eines Landes oder einer Gruppierung wertvolle Kulturgüter sind. Mit einem Vorleseabend oder einem Lesefest vermittelt man außerdem den hohen Stellenwert, den wir mit dem Vorlesen verbinden. Vielleicht ermutigt solch eine Veranstaltung die Eltern auch öfter selbst zum Buch zu greifen.

Dies war auch das Ziel des ersten Schweizer Vorlesetags, in dessen Rahmen das Lesecafé der JUKIBU stattfand. An diesem Tag wurde auf das Vorlesen als entwicklungsunterstützende Maßnahme aufmerksam gemacht. Vorlesen bringt emotionale Nähe, unterstützt die Erweiterung des Wortschatzes und die Vorläuferkompetenzen, um später Lesen und Schreiben zu lernen. Die Initiative des Schweizerischen Instituts für Kinder und Jugendmedien (SIKJM) war ein voller Erfolg. In der ganzen Schweiz gab es an die 5000 kleine und große Vorleseangebote für Kinder, Jugendliche und alle, die sonst Interesse zeigten. MINT & MALVE hat den Tag zum Anlass genommen, um die Blockparade „Vorlesefieber“ zu starten, auf der ihr auch weiterhin zahlreiche Beiträge zum Thema „Vorlesen“ finden könnt.

Für mich persönlich war es ein schönes Erlebnis am 1. Schweizer Vorlesetag in der JUKIBU zu Gast zu sein und ich bedanke mich herzlich für den ausgezeichneten Lesegenuss! Weiter bin ich gespannt, welche Aktionen am 2. Vorlesetag dort und rund um Basel geboten werden. Der 22. Mai 2019 ist jedenfalls vorgemerkt!

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