Als Oma immer kleiner wurde

Peppi und ihre Oma erleben viele gemeinsame Abenteuer, doch dann wird es langsam Zeit, Abschied zu nehmen. Peppi erzählt uns von ihrer Oma. Sie ist sehr gerne mit ihr zusammen. Denn bei Oma gibt es leckere Brötchen und sie schauen samstags ein lustiges Fernsehquiz. Wenn sie mit ihrer Oma in den Kohlekeller geht, ist sie sehr froh, dass Oma keine Angst hat. Beim Nachhause laufen nimmt Peppi die Klorollen, denn Oma ist groß und trägt die schweren Taschen. Doch irgendwann merkt sie in solch alltäglichen Situationen, dass ihre Oma kleiner wird, braucht sie doch zum Wäsche aufhängen von nun an einen Schemel und beim Einkauf übernimmt Peppi die großen Taschen. Im Kohlekeller ist Oma keine Hilfe mehr, da sie nicht mehr viele Kohlen tragen kann, glücklicherweise hat Peppi mittlerweile keine Angst mehr, im Gegensatz zur Oma wird sie immer größer. Für die Oma wird mit der Zeit alles anstrengender und Peppi unterstützt sie, wo sie kann. Irgendwann ist die Oma so klein und hat so eine zarte Stimme, dass Peppi sie nicht mehr hören kann. Bis sie ganz in ihr Ohr klettert. Manchmal ist Peppi traurig, dass sie keine Abenteuer mehr mit ihrer Oma erleben kann, doch dann erinnert sie sich, dass sie ihre Oma in sich trägt und sie um Rat fragen kann, wenn sie nicht weiter weiß. Manchmal erzählt ihre Oma sogar einen Witz, dann kann sie sich schieflachen. Schön, so eine lustige Oma bei sich zu haben.

Als Oma immer kleiner wurde Bilderbuch

Bild: Tulipan Verlag

Das Besondere an diesem Buch über Vergänglichkeit und Abschied ist, wie Peppi schleichend wahrnimmt, dass ihre Oma langsam aber stetig abbaut. Ohne die Worte Tod und Abschied zu erwähnen, wird dem Leser klar, dass die große und starke Oma langsam die Rolle der Hilfesuchenden annimmt, während Peppi gleichzeitig immer größer und stärker wird. Der ewige, unaufhaltbare Lauf des Älterwerdens wird in beiden Charakteren aufgegriffen. Die Rollen werden getauscht. Die Gedanken an das Rad, das sich unaufhaltsam weiterdreht,  können uns schmerzen, aus diesem Grund wird der Tod in der westlichen Gesellschaft als Tabuthema bezeichnet. Wir möchten ihn nicht an uns heranlassen, er ängstigt uns.
Kinder im Kindergartenalter gehen damit ganz anders um. Man kann eine Mischung aus Faszination und sachlichem Interesse beobachten. Die Situation, in der jemand für immer verschwindet, scheint viele Kinder zu weiteren Fragen zu bewegen: Wohin geht dieser Mensch? Was passiert mit ihm unter der Erde? Wo ist der Himmel?
Als Erwachsene tun wir gut daran, diese einfachen Kinderfragen in unser Leben zu lassen, gemeinsam zu philosophieren und dem Tod, dem Abschied und der Vergänglichkeit ihren Raum zu geben. Schließlich betrifft sie uns alle und gehört zu unserem Leben.

Als Oma immer kleiner wurde Bilderbuch

Tulipan Verlag

„Als Oma immer kleiner wurde“ benennt den Tod bzw. den Abschied nicht. Es bleibt Spielraum zur Interpretation: Warum wird die Oma kleiner? Warum ist sie nicht mehr so stark, wie früher? Aus diesem Grund würde ich es als offenes Vorleseangebot durchführen und die Kinder eigene Erklärungen entwickeln lassen. Bücher über den Tod können/ sollten immer wieder im Freispielangebot auftauchen, damit sich die Kinder ungezwungen damit befassen können. Als pädagogische Antwort auf den Tod eines Familienmitgliedes der Kinder würde ich sie nur situativ einsetzen, bevorzugt den Eltern empfehlen, die die Person kannten und sich das geeignete Buch für sich selbst aussuchen können. Den Kindern würde ich in einer Zeit in der ihre Familie trauert den Kindergarten als Normalität anbieten und genau beobachten, inwiefern sie meine Unterstützung oder ein offenes Ohr benötigen.

Als ein weiteres Buch zum Thema Tod kann ich „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch empfehlen.

 

 

Als Oma immer kleiner wurde
Autorin: Inka Pabst
Illustration: Mehrdad Zaeri
Tulipan Verlag, 2017
ISBN: 9783864293573

Leseprobe (pdf)

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