Im Gespräch: Anna Schaub – Übersetzung von Bilderbüchern

Anna Schaub

Passend zu meinem Gastbeitrag „Kinderliteratur –  mehr als nur ein paar Worte“ auf der Plattform für übersetzte Literatur TraLaLit, konnte ich Anna Schaub, der Übersetzerin von „Hier sind wir“ oder „Der Streik der Farben“, ein paar Fragen stellen:

Was bereitet Dir am Übersetzen von Bilderbüchern am meisten Freude?

Treffende Formulierungen zu finden und den richtigen Ton zu treffen. Meistens werde ich für gereimte Texte oder solche mit viel Wortwitz angefragt. Da darf ich mit Wörtern jonglieren.

Helfen Dir die Illustrationen, oder stellen Sie eher eine Schwierigkeit dar?

Die helfen – ganz klar! Bei Bilderbüchern ist es ja immer ein Zusammenspiel von Bild und Text. Ohne das eine gibt’s das andere nicht.

So wenig Text – ein Kinderspiel! Oder Doch nicht? Wo siehst Du beim Übersetzen von Bilderbüchern die größten Herausforderungen?

Es gibt einfachere und schwierigere Bilderbücher. Ich finde es schön, dass jedes Bilderbuch eine überschaubare Einheit darstellt. Für jedes Bilderbuch die passende Stimme zu finden, ist vielleicht die größte Herausforderung dabei.

Was macht für Dich eine richtig gute Übersetzung aus?

Wenn man nicht merkt, dass es eine Übersetzung ist.

Fällt Dir ein Beispiel einer Übersetzung (nicht unbedingt auf ein Bilderbuch bezogen) ein, die Dir besonders gut gefallen hat? Warum?

Ich bewundere Ulrich Blumenbach als Übersetzer. Weil er Sprachdetails liebt und versteht. Dass er „Infinite Jest“ übersetzt hat, sagt ja schon alles.

Wie stark schätzt Du den Einfluss Deiner Sozialisation oder Weltsicht auf die Übersetzung deiner Texte ein?

Vorhanden, aber nicht stark. So habe ich zum Beispiel in „Streik der Farben“ von Oliver Jeffers den im Original neutralen Farbstiften ein Geschlecht gegeben (gezwungenermaßen) und dabei darauf geachtet, dass nicht rosa gleich weiblich etc. ist.

Wieviel Einfluss hat der Verlag auf deine Übersetzung?

Da ich eigentlich ausschließlich für den NordSüd Verlag übersetze und früher dort gearbeitet habe, kennen mich die Lektorinnen sehr gut. Sie geben mir dementsprechend Projekte, die zu mir passen, und lassen mir dann freie Hand. Natürlich wird jeder Text lektoriert, ohne geht ja nie.

 

Anna SchaubAnna Schaub kam über Umwege zum Übersetzen. Während eines Lektoratspraktikums beim NordSüd-Verlag sollte sie für eine Präsentation einen Text aus dem Englischen grob übersetzen. Da sie außer Germanistik und Philosophie auch noch Englisch studiert hatte, fiel das ihr leicht. Die Version gefiel der Lektorin so gut, dass sie sie veröffentlichte. Seitdem übersetzt Anna Schaub für den NordSüd-Verlag zwei bis drei Bücher pro Jahr. Übersetzungen faszinierten die 36-jährige Baslerin schon immer und spielten auch in ihrer Lizentiatarbeit eine wichtige Rolle.
Wenn sie gerade nicht über den Übersetzungen brütet, leitet sie das Lesezentrum an der Sek Sissach und bringt Jugendliche mit allen erlaubten Mitteln zum Lesen. Bilder- und Jugendbücher liebt auch ihre Familie sehr und so übersetzt Anna sie quasi täglich für ihre Töchter – dann aber ins Schweizerdeutsche.

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1 Antwort

  1. Brigitte Wallinger-Schorn sagt:

    Ein ganz tolles Interview! Vielen Dank dafür!!

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