Drei Bilderbücher – Mit Kindern über Tod sprechen

Am 01. November ist Allerheiligen. Viele Familien besuchen an diesem Tag gemeinsam die Gräber ihrer Verwandten, um ihrer Verstorbenen zu Gedenken. Kinder im Kindergartenalter, die noch nie einen Todesfall in der Familie mitbekommen haben, finden das Thema „Tod“ und „Sterben“ oft faszinierend und interessieren sich dafür. Andere Kinder sind hingegen bereits vom Tod eines Familienmitgliedes betroffen. Dann ist es wichtig, ihre Fragen zu beantworten und etwaige Ängste zu thematisieren. Hier stelle ich drei Bilderbücher vor, die ganz verschiedene Aspekte aufgreifen:

Für immer von Kai Lüftner

In „Für immer“ verliert ein kleiner Junge seinen Vater, der aufgrund einer Krankheit starb. Der „Ich-Erzähler“ berichtet, wie er sich fühlt und wie ihm Andere in seiner Umgebung begegnen. Viele sind komisch, es gibt die Flüsterer, die tuscheln, die Grinser, die unpassende Späße machen oder die große Gruppe der Sprachlosen, die vor Betroffenheit gar nichts sagen. Er weiß, dass sich alles für immer verändert hat und fühlt sich wie im freien Fall. Der Papa ist für immer weg, aber für immer in seinem Herzen und für immer ein Teil von ihm.

Für immer
Für immer
Autoren: Kai Lüftner, Katja Gehrmann
Beltz und Gelberg, 2017
Ab 5 Jahre
ISBN: 978-3-407-79546-5
Blick ins Buch

Nie mehr Wolken gucken mit Opa? von Martina Baumbach

„Nie mehr Wolken gucken mit Opa?“ erzählt die Geschichte von Lilli. Die kleine Lilli saß gerne mit ihrem Opa auf der Schaukel, um in den Wolken lustige Figuren zu entdecken. Eines Tages wird der Opa ins Spital eingeliefert und stirbt. Lilli hat die, für ihr Alter typische Idee, dass der Opa bis zum Geburtstag wieder da sein wird und muss lernen, das Tote nicht zurückkehren. Sie erfährt die Trauer in ihrer Familie, nimmt an der Beerdigung und am Totenmahl teil, an dem sie ihre Erinnerungen mit dem Opa teilen. Die Trauer hält noch eine Weile an. Als der Frühling wiederkehrt, sitzt sie mit Mama und Papa auf der Wiese und schaut die Wolken an…


Nie mehr Wolken gucken mit Opa?
Martina Baumbach, Verena Körting
Thienemann-Esslinger, 2014
ISBN: 978-3-522-30372-9
Blick ins Buch

 

Das Leben und ich von Elisabeth Helland Larsen

Der Tod wird in „Das Leben und ich“ als Mädchen mit Blume im Haar dargestellt. Sie erklärt, dass sie zu allen Lebewesen eines Tages kommen wird. Meistens besucht sie ältere Menschen und Tiere, solche die ihre Leben gelebt haben und stützt sie auf ihrem Weg. Manchmal holt sie viele Menschen auf einmal ab und leuchtet ihnen den Weg. Manchmal holt sie Kinder ab, auch jene die noch nicht geboren wurden. Viele Fragen sich, wohin sie nach dem Tod gehen, allen gibt sie eine Antwort. Gemeinsam mit dem Leben, wohnt sie in jedem Körper. Die beiden sind in allem, was einen Anfang und ein Ende hat, sie sind ein Teil von uns und gehören unweigerlich zusammen.

Das Leben und ich
Das Leben und ich – eine Geschichte über den Tod
Elisabeth Helland Larsen, Marine Schneider
Kleine Gestalten Verlag, 2016
ISBN: 978-3-89955-771-8

 

Pädagogische Vermittlung

Als Elternteil oder Pädagoge sollte man das Kind dort abholen, wo es gerade steht. Manche Kinder möchten wissen, wie es nach dem Tod weitergeht, andere fragen sich, wie und warum man stirbt. Die Bilderbücher eignen sich gut, um über das Thema ins Gespräch zu kommen. Man sollte sich auch fragen, welche Deutungen man selbst mitgeben möchte bzw. anbieten darf. Der Himmel eignet sich nicht für alle Religionen. Eine tröstende Alternative ist das Leben in der Erinnerung der Anderen, oder in den Anderen selbst. In „Wo gehst du hin, Opa?“ werden viele verschiedene Deutungsmöglichkeiten angesprochen.

Ist man selbst betroffen, weil ein Todesfall im Bekannten- oder Familienkreis stattfand, sollte man darauf achten, welches Buch für einen selbst passt und welches die nötigen Fragen beantwortet. Beispielsweise eignet sich „Ente, Tod und Tulpe“ vor allem für Todesfälle nach einer längeren Erkrankung, bzw. im Alter, ähnlich ist es mit „Als Oma immer kleiner wurde“. „Das Leben und ich“ lässt sich in jeder Situation verwenden und findet schöne Worte, für Zeiten, in denen die Trauer sprachlos macht.

Wir sollten unseren Kindern die Chance geben, sich selbst mit Tod und Vergänglichkeit auseinanderzusetzen bzw. ihnen zumuten ihre Trauer mit unserer Unterstützung selbstständig zu verarbeiten. Konkret möchte ich jeden dazu ermutigen, seine Kinder dabei zu unterstützen, Antworten auf ihre Fragen zu finden, sich von einer verstorbenen Person zu verabschieden und Beerdigungen beizuwohnen, wenn sie das möchten.

aus „Das Leben und ich“; © Kleine Gestalten Verlag

 

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