Wo gehst du hin, Opa?

Wo gehst du hin Opa Bilderbuch

Inhalt

Emmi und ihre Mama gehen Emmis Opa im Krankenhaus besuchen. Emmi freut sich auf ihn und hüpft neben ihrer Mama her. Diese ist traurig und erklärt Emmi, dass ihr Opa sehr krank sei, sie sagt weiter: „Vielleicht geht er von uns“. Im Krankenhaus merkt Emmi, dass ihr Opa sehr geschwächt ist. Leise flüstert sie: „Wohin willst du gehen, Opa?“. Opa erklärt Emmi, dass er es selbst nicht wisse, vielleicht durch einen dunklen Tunnel ans Licht, zu den anderen Verstorbenen, die er sehr vermisst, in ein sonniges Paradies mit Erdbeersträuchern, oder als Stern ans Firmament. Er könnte in den Himmel gehen und von dort als Schutzengel auf sie aufpassen, oder als Baum aus der Erde wachsen und Schatten spenden, oder aber ins Nichts, wo es keine Schmerzen gibt. Emmi wägt die Möglichkeiten ab und freut sich, dass ihr Opa bald nicht mehr leidet, doch eigentlich wünscht sie sich, dass er bei ihnen bleibt. Ihr Opa verspricht bei ihr zu sein, wenn sie an ihn denkt. Wenig später besuchen Mama und Emmi den Friedhof. Emmi fragt sich, wo der Opa gerade ist. Als sie die Augen schließt und fest an ihn denkt, spürt sie seine Nähe – so, wie er es versprochen hat.

Bewertung

Mit Kindern über den Tod sprechen

Dieses Buch greift in schöner Weise auf, dass es Kinder verwirrt, Phrasen wie: „Opa, geht von uns“ zu hören. Sie haben nicht das Weltwissen, um diesen Satz richtig einordnen zu können. Die Hauptfigur Emmi reagiert idealerweise, indem sie ihren Opa direkt fragt und er antwortet angemessen und wahrheitsgemäß, dass er es nicht wisse. Diesen Aspekt und die Tatsache, dass Emmi ganz klar gesagt wird, dass Opa nicht bei ihr bleiben kann, finde ich für die Erwachsenen sehr wichtig, um ihre eigenen Kommunikation in der Trauer zu reflektieren. Die Reaktion des Opas auf Emmis Frage ist, dass er ihr verschiedene Möglichkeiten aufzeigt, die den religiösen Heilsversprechen nahkommen.

Unterschiedliche Möglichkeiten des Jenseits

Der „christliche“ Himmel wird unter anderem auch benannt. Brigitte Endres beschränkt sich aber nicht darauf, sondern lässt Emmi bzw. den Leser entscheiden, was für sie am Besten passt. Betroffene Kinder und Erwachsene, die sich ihrer Erklärungsversuche nicht sicher sind, können so ihre eigene Erklärung, was das Leben nach dem Tod angeht, finden. Was zählt ist die Botschaft, dass der Opa keine Schmerzen mehr leidet und der Tod endgültig ist. Der Opa verspricht, wenn Emmi an ihn denkt, wird er ihr ganz nah sein. Das passiert, als Emmi den Grabstein besucht. Hier finde ich es wichtig, in der Nachbesprechung mit den Kindern zu betonen, dass es sich (nur) um ein Gefühl der Nähe handelt, weil man sich an all die schönen Erlebnisse mit dem Opa erinnert.

Trauer (er-)leben

Schön finde ich, dass der Besuch am Grab thematisiert wird. Das Grab fungiert als Ort der Erinnerung. Es mag sein, dass Kinder anderer Religionen das Grab in der Form nicht kennen, allerdings kann man dann über andere Orte des Gedenkens sprechen. Vielleicht besucht ein anderes Kind seine Großeltern im Friedwald und kann dazu etwas sagen.
Als letztes positives Bewertungskriterium möchte ich aufführen, dass Emmi in diesem Buch hüpfen darf. Sie geht hüpfend neben der traurigen Mama ins Krankenhaus und zum Grabstein. Kinder trauern nicht wie Erwachsene, das müssen sie nicht und das darf keiner von ihnen erwarten.

Pädagogisches Angebot

In der Kindertagesstätte wäre es gut, auf das natürliche Interesse zum Thema Tod (normalerweise zwischen 4-6 Jahren) mit einem Buch, wie diesem zu reagieren. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich ihre eigenen Erklärungen für das Leben nach dem Tod zu suchen. Sie können diese besprechen und untereinander aushandeln. Erwachsene erschrecken oft, dass ihre Kinder sich so viele Gedanken machen. Hier rate ich dazu, auf die Kinder einzugehen und sie in ihrem natürlichen Interesse zu unterstützen.
In christlichen Einrichtungen kann man den Feiertag „Allerseelen“ nutzen, um mit interessierten Kindern über das Thema Tod und Trauer zu sprechen, da dieser Tag dazu genutzt wird, den Verstorbenen zu gedenken.
Wenn Kinder von Trauer betroffen sind, würde ich den betroffenen Erwachsenen Bücher zum Thema empfehlen. Sie können dann selbst auswählen, welches Buch für sie am Besten passt. Als Pädagogin habe ich ein wachsames Auge auf das Kind und seine Aktivitäten, inwiefern zeigt es seine Trauer? Äussert sich die Trauer durch Trennungsängste oder Aggressionen? Je nachdem würde ich das Kind trösten und wenn es für uns beide passt, ein Buch zum Thema anschauen. Wichtig finde ich, dass man den Kindergarten als Raum frei von Trauer anbieten sollte, da die Kinder auch davon profitieren, im Kindergarten Normalität erfahren zu dürfen.

Weitere Bilderbuch-Empfehlungen zum Thema Tod und Trauer sind „Ente, Tod und Tulpe“ und „Als Oma immer kleiner wurde„.

 

Wo gehst du hin Opa Bilderbuch TrauerWo gehst du hin, Opa?
Autorin: Brigitte Endres
Illustrator: Marc-Alexander Schulze
Aracari Verlag, 2015
32 Seiten
ab 4 Jahren
ISBN 9783905945461

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